Lucerne Festival with the Mahler Chamber Orchestra

CR ACCLAIM, NEWS

Barbara conducted the Mahler Chamber Orchestra on August 23rd at the Lucerne Festival in a programme of works by Debussy, Sibelius, Haydn, Berg and the world premiere of Gershwin’s Girl Crazy Suite, arranged for her by Tony Award winning composer Bill Elliott.
Earlier this month Barbara gave the keynote speech at the opening night of the Lucerne Festival. The speech is available online in German and English via Neue Zürcher Zeitung.
Hannigan Lucerne Festival photo credit: Peter Fischli / Lucerne Festival

Barbara and the Mahler Chamber Orchestra performing at KKL Lucerne
Lucerne Festival, 2016
photo credit: Peter Fischli / Lucerne Festival

REVIEWS

from Der Tagesspiegel, 29 August 2016

“„Lasst mich meine Arbeit machen, und ihr werdet keine Fragen mehr haben!“, lautet das Motto von Barbara Hannigan. Die Kanadierin ist weltweit die einzige Sopranistin, die auch dirigiert. Wenn sie sich im Konzert plötzlich zum Publikum umdreht und ihre Stimme erklingen lässt, während sie mit einer Hand weiter Zeichen an die Musiker sendet, sind die meisten im Saal darüber noch erstaunter als über den ungewohnten Anblick einer Frau, die den Taktstock führt.

Ihr Konzert mit dem Mahler Chamber Orchestra beim noblen Lucerne Festival am Vierwaldstättersee zeigt allerdings auch, dass Barbara Hannigans Gestik nichts mit der kapellmeisterlichen Zeichengebung zu tun hat, wie man sie an Musikhochschulen lernt. Die 45-Jährige gibt eher Impulse als präzise Anweisungen, so wie man das auch bei Männern beobachten kann, die Instrumentalisten waren, bevor sie zu dirigieren begannen. Nikolaus Harnoncourt ist hier das prominenteste Beispiel.

Die Kommunikation mit den Musikern funktioniert trotzdem gut. Sei es, weil Barbara Hannigan in den Proben ihre Interpretationsvision gut erklären konnte, sei es, weil das experimentierfreudige, gedanklich äußerst wendige Mahler Chamber Orchestra ihr im wahrsten Wortsinn jeden Wunsch von den Lippen abliest. Denn wenn sie singt – an diesem Abend bei Sibelius’ Tondichtung „Luonnotar“, in der Suite aus Alban Bergs Oper „Lulu“ sowie bei einem Arrangement aus George Gershwins Musical „Girl Crazy“ – ist sie in erster Linie als Sopranistin präsent. Und als Bühnenmensch mit Lust an der Selbstinszenierung. Wenn sie das Konzert zur Show macht, mit Lichteffekten, mit Kostümwechseln und so manchem Flirt mit dem Publikum, passt Hannigans Performance perfekt zum Titel des diesjährigen Festivals: „Primadonna“.”


from The Financial Times, 25 August 2016

“With her sultry timbre and fearless presence, the Canadian soprano is impossible to resist, and yet the Broadway persona is at times indulgent. Hannigan was more in her element in Berg’s Lulu Suite, drawing sensuous phrases from the episodic tangle of the opening movement. In “Lied der Lulu”, she sang to the audience with an air of both cool distance and torment while still beating time. By the final “Adagio” movement, she heaved her arms as if in slow motion against a searing allusion to Mahler.
At the concert’s best, the orchestra seemed an extension of Hannigan’s vocal interpretation. In Lulu, she was a seductress on the podium; in Sibelius’ tone poem Luonnotar, a daughter of nature, barefoot in a black pantsuit. The stratospheric soprano line was not compromised by her dramatic gestures as the winds overturn a duck’s nest whose eggs hatch into the sky.”
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4 out of 5 stars


from Neue Zürcher Zeitung, 24 August 2016

“Aber Hannigan gab der jungfräulichen Urmutter nicht nur ihre Stimme, sondern behielt als Dirigentin Leib und Selbst – mit klaren Herrschaftsgesten, als gestaltende Interpretin. Begünstigt durch die akustischen Verhältnisse, entwarf sie einen gläsernen, fein gewirkten Sibelius.”
“Wie vertraut Hannigan mit dieser Musik ist, zeigte sich in ihrer entschiedenen Interpretation: ein ungemein packendes Fliessen im eröffnenden «Rondo», das «Ostinato» voll untergründiger Spannung. Dies alles überragt von ihren sängerischen Fähigkeiten – dieser Stimmkontrolle, diesen schwindelerregend weitgespannten Legati, dieser noch das volle Orchester schlank überwindenden Eindringlichkeit.
Bill Elliott knüpfte mit seinem Gershwin-Arrangement an Bergs Klangwelt an, liess aus Dissonanz-Nebeln «But Not for Me» auftauchen, Hannigan neckisch mit dem Orchester spielen – und in «Embraceable Me» auch die Musiker singen.”
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from Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24 August 2016

“In einer eigenen Programmsparte bot das Lucerne Festival in diesem Jahr Dirigentinnen ein Podium. Insbesondere der Auftritt von Sopranistin Barbara Hannigan als singende Dirigentin hat Max Nyffeler in der FAZ begeistert: Diese Performance “zeugte von einer Souveränität und kommunikativen Lockerheit, wie sie nur eine bühnenerfahrene und zudem musikbesessene Künstlerin zustande bringt. Vielleicht öffnet sich hier ein Weg zu jenen neuen Konzertformen, von denen man sich heute die dringend nötige Erneuerung des Klassikbetriebs erhofft.”


from Badische Zeitung, 25 August 2016

“Führungsqualitäten – die statt in High Heels meist barfüßig, ohne Taktstock dirigierende Kanadierin hat sie unbestritten. Ihr Konzertauftritt zeigt aber noch etwas anderes: den unkonventionellen, selbstbewussten und dabei ganz souveränen Umgang mit Musik. Europäische Konzertdramaturgen rümpften vermutlich eher die Nase ob einer Programmgestaltung, in der auf Sibelius Haydn, auf Alban Berg George Gershwin folgt. Doch bei Barbara Hannigan macht es Sinn. Und Spaß. Zumal die Verbindungen spürbar sind. Debussys poetischem Solostück über die Nymphe “Syrinx”, von Chiara Tonelli beispielhaft überirdisch auf der Flöte intoniert, folgt mit “Luonnotar” ein nordisches Fabelwesen. Hannigan gestaltet den schweren Sopranpart in Jean Sibelius‘ wenig bekannter Tondichtung traumwandlerisch sicher, ihr luzider, schlackenfreier Sopran durchschwebt den Raum wie eben jene Tochter der Himmelsmächte im finnischen Nationalepos.

Auch das Dirigat Hannigans scheint zu schweben: keine dirigentischen Zauberstücke, kein zwanghaftes Führen-wollen. Bei Haydns D-Dur-Sinfonie Hob. I:86 zeitigt das ein großartig, akzentuierendes Spiel – das hinreißend musizierende Mahler Chamber Orchestra atmet mit der Dirigentin. Und “singt” mit.

Das müssen die Musiker übrigens auch im wirklichen Wortsinn in Bill Elliotts virtuos-kühnem Arrangement von Melodien aus George Gershwins Musical “Girl Crazy”. Man hält den Atem an, wie Hannigan, wenige Minuten zuvor noch mit dem Monolog der Lulu und den Schlussworten der Gräfin Geschwitz aus Alban Bergs “Lulu” berührend, nun mit Gershwin den Raum pulsieren lässt: “I Got Rhythm” und “Embrace me”. Ja, man könnte sie umarmen. Und: Wie herrlich ist doch ein Musizieren so ganz ohne Berührungsängste.”