Feature article: “Sie kann, was sie will”

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Barbara Hannigan: Sie kann, was sie will

Als Sopranistin ist Barbara Hannigan mit allen Wassern der neuen Musik gewaschen. Jetzt wird sie Dirigentin.

Barbara talks to Die Zeit about traditions, Carlos Kleiber, what she learned from being Lulu and her recent performances with the Münchner Philharmoniker.

 


an excerpt from the feature article in Die Zeit, written by Christine Lemke-Matwey:

Ende April, wir sitzen in einem Dachgeschoss-Apartment, das Barbara Hannigan unweit des Münchner Gasteigs für eine Woche gemietet hat, es ist Samstagmittag, die Stadt brummt, und zwei der drei Konzerte (darunter ein umjubeltes Jugendkonzert), die die Kanadierin bei den Münchner Philharmonikern zu leiten hat, liegen hinter ihr. Blass sieht sie aus, so fast ohne Make-up und im Sonnenschein, noch etwas schmaler als sonst, und bisweilen sinkt ihr rechtes Augenlid, als würde sich der Blick darunter viel lieber nach innen kehren als auf ein Gegenüber einlassen, das im Zweifelsfall das immer Gleiche wissen will: Wie sie als Sängerin eigentlich auf die schizophrene Idee gekommen sei, gleichzeitig zu singen und zu dirigieren?

Die Tradition wirft in dieser Hinsicht wenig ab, abgesehen von Peter Schreier, der als Bach-Dirigent den Evangelisten in den Passionen oftmals einfach mitsang, oder der französischen Altistin Nathalie Stutzmann, die vor ein paar Jahren ihr eigenes Barockensemble gründete, um dezidiert beides tun zu können. Dass Sänger die Seiten wechseln (ans Dirigenten- wie ans Regiepult), ist nichts Ungewöhnliches. Dass sie ihren Gesang dabei mitnehmen, schon.

Möglicherweise ist die fehlende Tradition bei Hannigan der springende Punkt. Das bipolare Arbeiten, gesteht sie, fühle sich an, als liefe sie “auf jungfräulichem Schnee – weit und breit keine Fußspuren. Ich liebe das Unberührte. Und wenn ich scheitern sollte, ist es auch okay.” Wobei man einem bekennenden Workaholic wie ihr ein handfestes Scheitern am allerwenigsten zutraut. Eher scheiterte sie am Nicht-scheitern-Können und an einer Lebenserfahrung, die sie nichts anderes lehrt, als in allem stets die Erste, Schnellste und Beste zu sein.

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